Radsport Berichte

Radlust Ostseeradweg

  ein Bericht von Andreas Broschinsky (im Mai 2020)
 

Claudia und Andreas wollten dieses Jahr eigentlich eine Tour südlich des Mains entlang der Flüsse
unternehmen, doch die Situation erforderte ein Umdenken. Schnell waren die neuen Einzeltouren digital
erstellt: beide wollten nun quer durch Nordwestdeutschland immer ostwärts fahren, bis sie auf der
Höhe von Scharbeutz den Ostseeradweg erreichten. Da zu dieser Zeit Schleswig-Holstein den Zugang
für Touristen verwehrte, wurde eine zusätzliche (zweite) Alternativroute ab Hamburg auf dem Gebiet von
Mecklenburg-Vorpommern integriert.

 

Für Claudia war das Unternehmen eine Primäre, da sie noch nie geplante Mehrtagestouren auf dem Rad
bewältigte. Andreas besaß durch seine unzähligen Deutschlandtouren genug Erfahrungen für das
Unternehmen Ostseeradweg.

 

Die Räder wurden kurzerhand überholt, Lowrider und Packtaschen angepasst und die Barfußpedale am
Cyclocrosser montiert (Andreas fuhr seine zweite Barfuß-Deutschlandtour). Der Cyclocrosser wurde mit
insgesamt fünf Packtaschen beladen, die zusammen mit dem Fahrer ein Systemgewicht von 140 kg ergaben.

 

Am Samstag, den 23. Mai fuhren die beiden schließlich in Weener los und erreichten bei sonnigem Wetter
die Stadt Leer. Für Andreas erfolgte gleich die schwerste Prüfung der gesamten Tour mit der Befahrung der
Bahnbrücke über die Leda: starker Seitenwind in zehn Meter Höhe mit großflächigen Packtaschen,
Fahrbahnbreite 1,5 Meter, rechts ein Geländer von nur einem Meter Höhe, links das Tragwerk (Stahlträger)
der Brücke. Nach einigen Sicherheitsstopps war das Hindernis aber schnell überwunden und der Weg
führte beide entlang der Leda und Fehnkanäle über Jaderberg nach Brake. 

 

Tagesglück Nummer eins. Um 17.30 Uhr sollte die Weserfähre eigentlich ihre letzte Fahrt des Tages
antreten, beide kamen jedoch um 17.36 Uhr am Fähranleger an. Zudem hatte man auf der Homepage
nicht beschrieben, welche Seite zuletzt angefahren wird, denn die Fähre kam beiden nun vom Ostufer entgegen!
Da sich noch ein paar Motorradfahrer und ein Auto nach den beiden Radsportlern einordneten, ließ sich der
Fährmann von einer weiteren Fahrt zur anderen Seite überreden.

 

Tagesglück Nummer zwei. Am Ostufer angekommen hatten beide noch immer keine Unterkunft.
Das Hotel in Sandstedt war telefonisch nicht zu erreiche und so fuhren beide kurzerhand zur angegebenen
Adresse. Es stellte sich heraus, dass die Eigentümer gerade Renovierungsarbeiten unternahmen, aber
Claudia und Andreas trotzdem eine günstige Unterkunft zur Verfügung stellen konnten
(die ersten Gäste nach Corona!). Darüber hinaus gab es ein Abendessen inklusive einem Getränk für
fünf Euro pro Person.

 

Tagesglück Nummer drei. Das Wetter hatte sich zunehmend verschlechtert, sodass beide nun im Hotel
das Unwetter trocken überstanden.

 

Der nächste Tag startete zunächst mit Regen und starken Windböen und führte beide über Bremerhaven
bis nach Wingst. Die Tour wurde von beiden ab Bremerhaven im Navigations-Freestyle bewältigt.

 

Am dritten Tag wieder Glück für die Radsportler: nachdem beide Stade besichtigt und die Elbe bei Wedel
überquert hatten, konnten sie bei Bekannten in Hamburg Abendessen und einige Straßen weiter bei
Verwandten übernachten.

 

In der Zwischenzeit hatte Schleswig-Holstein das Einreiseverbot aufgehoben, sodass beide am vierten
Tag den direktesten Weg nach Lübeck fuhren und die zuvor geplante Alternativroute damit überflüssig wurde.
Das gewählte Hotel in Lübeck kostete für beide erstaunliche 35 Euro!

 

Am fünften Tag erreichten Claudia und Andreas bei Scharbeutz schließlich den Ostseeradweg. Hier reihte
sich ein super teurer Kurort an den anderen und machte eher Lust auf schnelles Weiterfahren. Die Tour
führte beide nun nach Ostdeutschland. Im Nirgendwo (Ortsname „Beckerwitz Ausbau“) konnten beide
im letzten Augenblick noch eine Ferienwohnung mieten, um nicht bis Wismar durchfahren zu müssen.

 

Erstaunlich für beide war ab jetzt das sonnige, windige aber kühle Wetter, das Tageshöchsttemperaturen
selten auf 18 Grad Celsius ansteigen ließ. Am sechsten Tag fuhren beide über Wismar auf die Insel Poel
und weiter über Kühlungsborn nach Bad Doberan.

 

Am siebten Tag erreichten beide Warnemünde und das traumhaft schöne Naturschutzgebiet Heiligensee
und Hütelmoor, die beide nicht zum Ostseeradweg gehörten. Mit den Navis navigierten beide zielsicher
durchs Gehölz und kamen im Ostseeheilbad Graal-Müritz in die Zivilisation zurück. Weiter ging es nach
Ribnitz-Damgarten, um am nächsten Tag genügend Zeitreserven für die Halbinsel Darß zu haben.

 

Der Darß erwies sich tags drauf als eine sehr unterschiedliche Radstrecke. Im Osten und Süden
überwiegt das schnurgrade Fahren auf endlosen Deichkronen, meist im ungeschütztem Gegenwind.
Im Nordwesten erstreckt sich dagegen ein nicht enden wollender Nationalpark mit teilweise alten
Baumbeständen und riesigen Moorflächen, der auf Wald- und Schotterwegen mit dem Rad
befahren werden darf.

 

Der neunte Tag der Tour startete in Barth und führte nach Stralsund zum Übergang auf die Insel Rügen.
Beide änderten die ursprüngliche Strecke und fuhren zunächst auf Wanderwegen entlang der Westküste.
Zurück auf dem Ostseeradweg hatten sie mit extremen Nordwind (Windböen bis 60km/h) und dem
sehr schlechten Wegenetz zu kämpfen, dass teilweise aus groben Kopfsteinpflaster, schlechten
DDR-Plattenwegen und Sandfeldwegen bestand. Rügen, so hatte Andreas bereits Jahre zuvor die
Erfahrung gemacht, ist nichts für Tourenfahrer und schon gar nicht für Rennradfahrer, da die
Landstraßen von den Touristen stark befahren werden! Am späten Abend kamen
beide genervt im Ort Ginst an und stärkten sich in der nahen gelegenen Gastwirtschaft.

 

Am zehnten Tag der Tour fuhren Claudia und Andreas mit der Wittower Fähre auf den nördlichen
Teil von Rügen. Auch der wassernahe Radweg erwies sich als Katastrophe bis sie schließlich in
Dranske ankamen. Über hügelige, recht gut befahrbare Feldwege führte der Ostseeradweg nun bis
zum nördlichsten Punkt der gesamten Deutschlandtour: Kap Arkona. Danach fuhren beide einen
Katastrophen-Radweg (Wurzeln!) auf dem nicht enden wollenden Landstreifen zwischen Juliusruh
und Glowe, denn hier sind die Ufer von Ostsee (15 km langen Strand) und Bodden teilweise nur
einige hundert Meter voneinander getrennt und es gibt somit keine Alternativstrecken.
Übernachten konnten sie in einem Hotel in Staphel.

 

Am nächsten Tag fuhren beide über die ehemalige Ferienanlage Prora und das Ostseebad Binz
in das Biosphärenreservat Südost-Rügen mit seinen schönen Buchenwäldern. Unterwegs wurde auch
die bekannte historische Eisenbahn der „Rasende Roland“ gesichtet. Auf der gesamten
Deutschlandtour gab es keinen Defekt an den Rädern, nur Claudias Rennradschuhplatten hatten
ihre Ablegereife durch Verschleiß erlangt (Andreas erwartete systembedingt diesbezüglich
kein Problem:)). Im Ostseebad Baabe konnte beide endliche einen Fahrradhändler ausfindig machen,
der die richtigen Platten auf Lager hatte. Der nächste Ort war Göhren und bereits das Tagesetappenziel.

 

Tag zwölf. Aufgrund der negativen Wettervorhersage für die folgenden Tage, entschieden sich
beide Radsportler auf den Ostseeradweg Stralsund-Greifswald-Wolgast zu verzichten und mit der
Fähre am Mittwoch von Rügen (Gager) nach Usedom (Peenemünde) über zu setzen. Von Peenemünde
ging es über den gesamten Landstreifen von Usedom mit den traumhaft schönen Wäldern bis nach
Ahlbeck und der deutsch-polnischen Grenze. Hier war definitiv Schluss für beide,
denn polnische Soldaten bewachten die Grenze mit MP im Anschlag und ließen niemanden passieren.

 

Aber wie wollten die beiden zurück nach Weener kommen? Erst am letzten Tag der Tour machten
sie sich Gedanken darüber... Flixbus, Mietauto oder Bahn? Schlechte Erfahrungen mit dem
Flixbus (und Rädern) ließen den Gedanken an ein Mietfahrzeug aufkommen. Wäre für 80 Euro auch
möglich gewesen, wenn der Vermieter nicht aufgrund von Corona geschlossen hätte. Blieb also
nur der Rückweg mit der Bahn im Regionalverkehr und 9 ½ Stunden Fahrzeit.

 

Insgesamt war die diesjährige Deutschlandtour für beide eine tolle Erfahrung mit sehr viel Natur, einigen
Herausforderungen und einem prima Wetter. Beide legten 1.047 Kilometer mit 3.600 Höhenmeter zurück,
die längste Tour betrug dabei 111 Kilometer.
Bericht: Anderas Broschinsky (09.06.2020)

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