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EmderLaufGemeinschaft e.V.
Mittwoch, 10.03.2010


"Peking war ein besonderes Lauferlebnis"
Helmund Kerkhoff von der Emder Laufgemeinschaft ist ein begeisterter 
Langstreckenläufer. Seinen 40. Marathon absolvierte er am 17.Oktober 2004 in
Peking. Nachstehend sein Stimmungsbericht.
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Im Ziel von den Chinesen immer wieder gern mit fotografiert:
Helmund Kerkhoff von der Emder LG.
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Herumgereist bin ich schon viel für meine Lauferei und habe dabei viel erlebt.
Und deshalb musste es zum 40. Jubiläum auch etwas Besonderes sein.
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Marathon in Peking, im Reich der Mitte, im Jahr des Affen, Marathon mitten in der
vom Bauboom erfassten chinesischen Metropole, wo ganze Viertel Platz machen
müssen für breite Straßen, utopische Bürohäuser und riesige Einkaufszentren.
Bis zur Olympiade 2008 soll alles ganz neu aussehen und nebenbei möchte man
dem Rivalen Shanghai Paroli bieten.
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Der Start zum Marathon war am vorletzten Sonntag am Tiananmen, dem Platz des
himmlischen Friedens. Europäische Langnasen sind begehrt als Fotomotiv. Und so
stellte ich mich geduldig vielen chinesischen Läufergruppen und den Fernsehteams
für Erinnerungsfotos zur Verfügung.
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Die Tage vor dem Lauf waren sehr sonnig und warm, aber mit klarer Sicht und
geringer Luftfeuchtigkeit. Am Lauftag war die Sonne gnädig zu uns Läufern. Sie
versteckte sich hinter den Wolken. Es war schwülwarm, und die Sicht betrug nur
etwa einen Kilometer auf Grund von Dunst und Staub in der Luft. Dazu kamen die
normalen Handicaps einer Laufreise: Zeitumstellung, zehnstündiger Flug,
anstrengendes Besichtigungsprogramm mit Tempeln, Palästen und der großen
Mauer, schlechter Schlaf im zu heißen Hotelzimmer mit lauter, aber nicht
funktionierender, Klimaanlage und (selbstverschuldet) eine Rippenprellung von
von einem illegalen Kletterausflug an der großen Mauer.
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25 016 Läufer sind auf den Beinen über verschiedenen Laufdistanzen. Zum vollen
Marathon treten 3500 an, darunter 250 Ausländer, meist Japaner, Koreaner und viele
Franzosen. Aus Deutschland sind 19 Marathonläufer dabei. Ich treffe sie fast alle vor
dem Start. Nach dem Start folgt eine Ehrenrunde um das Mao-Mausoleum. Nach
1,5 km haben wir den Platz des himmlischen Friedens immer noch nicht verlassen,
so groß sind seine Ausmaße. Dann geht es auf große Ausfallstraßen nach Westen
und Norden aus der Stadt heraus.
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Alles ist sehr gut organisiert. Zeitmessung mit Chip am Schuh, Getränke alle 5 km,
viele Polizisten zur Absperrung und dazu noch viele Soldaten der Volksarmee in
grüner Uniform, strammstehend am Straßenrand, die Hände an der Hosennaht,
mit dem Rücken zu den Läufern. Nur wenige trauen sich, den Kopf zu wenden und
den Läufern zuzuschauen.
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Nach 8 km überholen mich die eine Viertelstunde später gestarteten 21 km- und
10 km-Läufer. Auch die erste Frau des Marathons, die Vorjahressiegerin, flitzt an mir
vorbei. Ziemlich am Ende der Läuferfeldes gestartet, fange ich ab km 10 an, eine
Läufergruppe nach der anderen zu überholen. Ab km 15 sieht man die ersten
Fußgänger und Läufer mit Muskelproblemen. Viele Chinesen scheinen nicht richtig
vorbereitet zu sein und haben z.T. auch zu schlecht gedämpfte Schuhe.
(nebenbei: Laufschuhe kann man in Peking für 10 bis 45 Euro kaufen. Überhaupt ist
Garderobe sehr günstig zu kaufen, ganz zu schweigen von der "echten Lolex für zwei Eulo",
die man bei den fliegenden Händlern kaufen kann.)
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Die letzten 12 km fallen mir wie erwartet sehr schwer. Zur warmen feuchten
Luft kommt jetzt die direkte Sonne, dazu der typische Staub Pekings, der in Augen,
Nase und Rachen brennt. Deshalb fange ich an, mir Kraft von den Zuschauern zu holen.
Dazu brauche ich nur den Chinesen zu zu winken. Als Langnase haben sie mich
sowieso schon von weitem erkannt. Ich trage eine kleine Deutschland-Fahne an
meinem Lauftrikot und erhalte daraufhin viele Zurufe. Ich werde oft fotografiert.
Die Leute winken und rufen mir zu. Und diese Reaktion vom Publikum gibt Kraft
und puscht vorwärts.
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Arg wird es auf dem 6-spurigen Badaling-Express-Highway, der in Richtung Große
Große Mauer führt. Wir laufen auf dem Randstreifen und werden von stinkenden
Linienbussen überholt. Unter den Marathonläufern sieht man schon lange mehr
Fußgänger als Läufer. Das stachelt meinen Ehrgeiz nur an. Den Chinesen will ich es
zeigen. Ich möchte auf jeden Fall ohne Pausen ins Ziel kommen. Und mit einer
Rikscha will ich auch nicht ins Ziel gefahren werden müssen. Dann bin ich im Ziel im
olympischen Sportpark am nördlichen Stadtrand, in dem auch das Olympiastadium
für 2008 gebaut werden soll. Ergebnis: Rang 884 in 3:45:45 Stunden und
achtbester Deutscher.
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Bei den Damen hat die chinesische Vorjahressiegerin Sun Yingjie gewonnen in
2:24:11 Stunden, bei den Männern der Kenianer James Moiben in 2:10:42 Stunden.
Obwohl der Marathon selbst nicht gerade empfehlenswert ist, wird mir das gesamte
Erlebnis Boomtown Beijing mit den alten Kulturgütern, seinen Prachtbauten und
kleinen Gassen und ärmlichen Hinterhöfen besonders in Erinnerung bleiben.
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Emden, 08.11.2004
© Helmund Kerkhoff
E-Mail: Helmund.Kerkhoff@gmx.de
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