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EmderLaufGemeinschaft e.V.
Mittwoch, 10.03.2010


Helmund Kerkhoff
Helmund Kerkhoff
Der Comrades - Ultra - Marathon, die andere Dimension !
Absatz
Zwei Läufer der Emder LG stellten sich in Süd-Afrika der Herausforderung.
Absatz
Über ein besonderers Lauferlebnis berichtet Fritz Koenigs (57) mehrfacher
Teilnehmer an Marathonläufen und Hobby-Läufer.
Fritz ist vielen bekannt als herausragender Tischtennis-Spieler,
Trainer und Manager der Regionalliga-Mannschaft von BW Emden-Borssum.
Absatz

"Vergesst Berlin, London und New York.

Der ultimative Lauf, den man nicht mehr steigern

kann, ist und bleibt der Comrades".

Helmund Kerkhoff

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So begann ein Bericht eines Marathonläufers in einer Läuferzeitschrift,
was auf den berühmten Comrades-Marathon über 89 Km (!) von
Pietermaritzburg runter zur Küste nach Durban am Indischen Ozean hinwies.
Neugierig wurde mein Sohn Lars (30), mehrfacher Marathonläufer der Emder LG,
welcher seit einem Jahr beruflich in Johannesburg tätig ist.
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Es reifte der Gedanke, am 16. Juni 2003 beim,
dann zum 78. Mal ausgetragenen, tranditionsreichsten Ultralauf der Welt
teilzunehmen, welcher zum Gedenken an die gefallen "Kameraden" (daher
der Name Comrades) des 1. Weltkrieges jedes Jahr stattfindet.
Der Clou des Laufes besteht darin, daß jedes Jahr im Wechsel
"down" und "up" gelaufen wird. Bei ungeraden Jahreszahlen, wie jetzt 2003,
wurde "down" von Pietermaritzburg nach Durban gelaufen. Nächstes Jahr ist
dann die umgekehrte Richtung zu absolvieren.
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Bei seinem Heimatbesuch über Weihnachten 2002 begeisterte Lars
auch mich für diesen besonderen Lauf.
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Die Vorbereitung beginnt:
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So wurde ab Januar 2003 von Beiden (Fritz in Emden und Lars in Süd-Afrika)
ein spezielles Training nach südafrikanischen Trainingsplänen durchgezogen.
6 x pro Woche wurde trainiert und insgesamt 1.500 Km mussten
zurückgelegt werden. Viele kurze Einheiten wechselten sich ab mit Längen
über 21, 30, 42, 50, 56 bis hin zu 62 Km ! Eine ganz harte Vorbereitungszeit.
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Langsam wird es Ernst !
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Am 09. Juni 2003 (Pfingstmontag) begann die Anreise über Bremen und
Zürich nach Johannesburg. Nach einer Woche Aklimatisation in Johannesburg,
reisten wir dann mit unseren Frauen von dort nach Durban am Indischen Ozean,
wo noch 4 Tage zur Eingewöhnung blieben. Am Tag vor dem Rennen hatten
wir die Möglichkeit die gesamte Laufstrecke abzufahren und dabei wuchs der
Respekt vor der Strecke von Km zu Km.
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Die Strecke:
Die Schwierigkeit beim Comrades besteht darin, dass es sich um eine total
bergige und hügelige Strecke handelt, wo es so gut wie keine längeren,
flachen Laufpassagen gibt. Trotz insgesamt abfallender Strecke
(1.040 Höhenmeter Anstieg, 1.660 m Gefälle) ist es ein ständiges Auf und Ab
von Berg zu Berg, von Hügel zu Hügel. Insgesamt 64x (!) wechselt die Laufsrecke
von Auf nach Ab und umgekehrt. Die längste Aufwärtsstrecke betrug 5 Km,
abwärts waren mehrmals 3,5 Km zu bewältigen, alles auf asphaltierten Strassen.
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  Helmund Kerkhoff  
Start vor dem Rathaus in Pietermaritzburg am 16. Juni 2003 5:30 h
Der Start:
Trotz dieser Gewissheit ließen wir uns nicht entmutigen und standen dann am
Montag (Feiertag in Süd-Afrika) den 16. Juni 2003 um 5:30 h beim Rathaus in
Pietermaritzburg mit 13.374 (davon nur ca. 320 Ausländer, unter ihnen 27 Deutsche)
weiteren Läufern am Start und stellten uns dieser schweren Aufgabe.
Zur Einstimmung für die Läufer wurde der Song "Chariots of Fire"

von Vangelis 20 Minuten lang bis kurz vor dem Start gespielt.

Bei empfindlich kalten 8 Grad (zwei T-Shirts wurden extra übergezogen) und
völliger Dunkelheit wurden die Läufer dann mit einem Hahnenschrei und
nachfolgendem Kanonendonner vom Bürgermeister von Pietermaritzburg auf
die lange Reise geschickt.
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Unterwegs:
Die ersten Km ging es ständig leicht bergauf und mit frischen Beinen war man
guten Mutes unterwegs. Nicht so stimulierend war, dass die Km-Angaben nicht
die zurückgelegten wie in Deutschland, sondern die noch zu laufenden
anzeigten - z.B. "80 Km to go".
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Fantastisch waren die Verpflegungsstellen unterwegs, wo in einem Abstand
von unter 2 Km insgesamt ca. 52 (!) Verpflegungsstände aufgebaut waren.
Mehr als 30.000 ehrenamtliche Helfer machten einen phantastischen Job.
Es wurde alles angeboten was das Läuferherz begehrt: Wasser,
Powerade, Cola, Bananen, Apfelsinen, Schokolade, Kekse, gekochte Kartoffeln
usw. usw. Bis Km 23 lief für uns Beide alles nach Plan und wir konnten
unseren Frauen (Betreuerinnen) am Strassenrand Beruhigung signalisieren.
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Hunderttausende farbige und weisse Zuschauer feuerten die Läufer an und viele
kleine, farbige Kinder mit ihrem "Well Done" Anfeuerungen werden uns für
immer in Erinnerung bleiben. Bei "Half-Way" (44,5 Km) lagen Lars (3:59 h)
und ich (4:59 h) durchaus noch im geplanten Bereich, aber dann.............
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  Helmund Kerkhoff  
Lars Koenigs Start-Nr. 42512 bei Km 53
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Bis Km 53 hatten wir das schwierigste Stück zu bewältigen, denn das Tal
der 1.000 Hügel, Drummond Hill und Bothas Hill stellten wahre Klippen dar.
Es gab Anstiege, da lief kein Läufer mehr, auch die Profis nicht, da war
einfach nur noch Gehen angesagt. Unsere Betreuerinnen von Lars (Kerstin)
und mich (Lilly) sahen mit Sorgen, welche Strapazen wir durchzustehen hatten.
Nach Bothas Hill gab es dann sehr steile Abwärtsstrecken, wo die Muskeln
nur so heulten. Hier machte sich für uns Ostfriesen bemerkbar, das wir nur auf
dem flachen Land zu Hause sind. Ab Km 65 wurden auch die an sich wohltuenden
Abwärtsstrecken zur Qual, die Oberschenkel verweigerten ihren Dienst.
Es war zum Teil die Hölle, ich wollte bei Km 65 das Rennen schon beenden,
weil fast nichts mehr ging, mich aber eine Massagestation wieder aufpäppelte.
Beide mussten wir davon mehrere in Anspruch nehmen, weil sonst ein
Weiterkommen nicht möglich gewesen wäre.
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Meine gut erkennbare, ausländische Start-Nr. (mit meinem Namen) hat mir in
dieser Phase sehr geholfen, denn ich konnte die vielen aufmunternden Zurufe
mehrerer Mitläufer nicht mehr zählen. "Fritz from Germany, you must go on.......",
ich habe es bei meinen Gehpausen sehr, sehr oft gehört, es war einmalig...........
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Inzwischen brannte natürlich auch die Sonne vom Himmel und obwohl dort
afrikanischer Winter herrschte, war es uns bei 25 Grad absolut nicht nach Winter
zu Mute. Mit viel Taktik, sprich ständigem Wechsel von Lauf- und Gehphasen,
legten wir dann aber weiter Km um Km zurück, bis dann endlich die Skyline
von Durban in's Blickfeld kam.
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Das Ziel "Durban"
Zwei letzte zermürbende Hügel, dann ging es hinunter nach Durban, an Massen
von jubelnden Zuschauern vorbei in das vollbesetzte Kricketstadion Kingsmead.
Nach einer kleinen Ehrenrunde im Stadion, auf herrlich kurzem Rasen,
erreichte Lars nach 9:22 h das ersehnte Ziel, was Platz 3.675 im
Gesamtklassement bedeutete. Für mich blieben kurz vor Toresschluss
bei 11:39 h (Platz 10.359) die Stoppuhren stehen, als ich überglücklich die
Zielline überquerte. Eine Besonderheit beim Comrades ist nämlich auch der
Zielschluss. Nach 12 Stunden wird das Ziel mit Barrieren abgeriegel und die
Stadiontore geschlossen. Die danach eintreffenden Läufer dürfen nicht mehr
einlaufen, bekommen auch keine Medaille und werden auch nicht in den
Ergebnislisten aufgeführt. Von den am Morgen gestarteten Läufern erreichten
1.977 (!) nicht das Ziel in Durban in den gefordeten 12 h.
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Sieger bei den Frauen wurde die Russin Elena Nurgalieva in 6:07:47 h,
bei den Männern siegte der einheimische Fusi Nhlapo in unglaublichen
5:28:52 h, was die neuntschnellste je auf diesem Down-Hill-Kurs erzielte
Zeit bedeutete. Nach Zieleinlauf wurden die ausländischen Läufer
und Betreuer in einen extra für sie abgesperrten VIP-Bereich geführt,
wo sie mit Essen und Getränken reichlich versorgt wurden,
was wir sichtlich genossen.
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Auch wenn wir Beide fix und fertig waren, es war schon ein irres Gefühl,
am wohl bedeutensten Ultralauf und dem wahrscheinlich weltweit
grossartigstem Laufereignis teilgenommen und ihn bestanden zu haben.
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Helmund Kerkhoff
Das riesige Medienintresse, das Rennen
wurde 13 h live im Fernsehen übertragen
und das am südafrikanischem Nationalfeiertag.
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Die begeisterungsfähigen Zuschauer,
welche besonders die wenigen ausländischen
Läufer extrem freundlich aufgenommen,
angefeuert und versorgt haben.
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All diese Eindrücke werden wir in unserem
Läuferleben wohl nie vergessen können,
welche auch mehr als Entschädigung für
all die durchstandenen Strapazen waren.
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Das war halt eine andere Dimension !
 
 
 
 
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  Helmund Kerkhoff  
Lars und Fritz Koenigs nach dem Lauf im Kricketstadion Kingsmead zu Durban
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Emden, 08.10.2003
© Fritz Koenigs e-Mail: lfkoenigs@t-online.de
Lars Koenigs Johannesburg/Süd-Afrika e-Mail: larsking@web.de
Info's zum Comrades-Ultra-Marathon unter: www.comrades.com
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  M.Lauterjung Emden Reederei + Befrachtung www.ostfriesiche-volksbank.de
   
www.emder-lg.de
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Am Margarethenhof 7
26759 Hinte